Kerberos an der Pforte des Wahns

Ilija Trojanow

 

Alles, was wir nicht begreifen können, nennen wir Wahn und meinen es dadurch in die Verständlichkeit zu bannen. Das ist der „Sinn“ in „Wahnsinn“, jene durch unsere Haltung (und Terminologie) bedingte Ghettoisierung. Seit es den Staat gibt, gilt der Einzelne, der den Konventionen einen vermeintlich verzerrten Spiegel vorhält, in dem der Wahn der real existierenden Ordnung sichtbar wird, als gefährlich. Also muss er/sie an den Rand gedrängt oder gar ausgesondert werden.

 

In den Bildern von Bakos Tamás ist das Echo vielfältiger Verwundungen sichtbar. Mit der Obsession einer heillosen Trauer malt er unentwegt das Unverdrängbare. Die Fratze eines zeitlosen Kerberos, der mit bissigen Zähnen und bösem Blick dafür sorgt, dass die „Wahnsinnigen“ sich nicht an ihm vorbei unter die Vernünftigen mischen. Den Bildern ist die Qual ihrer Entstehung anzusehen.

 

Wenn sie schon beim Betrachten so weh tun, wie sehr mögen sie den Künstler beim Malen, beim Zeichnen geschmerzt haben. Sie wirken so, als sei die Morgenröte daran gescheitert, das Tageslicht anzukündigen, als sei jeder Tag in der Dämmerung steckengeblieben. In diesem Zwischenlicht ist Tamás zu Hause, auch wenn dies eine einsame Heimat sein muss. Und aus diesem Dazwischen wirft er verstörende Blicke auf unsere Existenz, von der wir uns einbilden, sie sei sinnvoll, vernünftig, zielgerichtet, erklärbar, nachvollziehbar. Mit jedem Bild verschiebt er die Grenze zwischen Wahn und Sinn.